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Wie wird das Jahr 2012?

Es ist schwierig, Prognosen über die Wirtschaftsentwicklung im neuen Jahr abzugeben, behaupten die Konjunkturexperten an jedem Jahreswechsel. Diesmal haben sie Recht. Die Lage in Europa ist recht verworren. Die Schuldenkrise und ihre Auswirkungen auf die Politik und die Wirtschaft haben zu sehr unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Ländern geführt. Die deutsche Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr trotz dieser Widrigkeiten mit einem Wachstum von 3 Prozent erstaunlich gut entwickelt. In der Europäischen Union lag die Rate lediglich bei 1,6 %.

Noch ist nicht abzusehen, wie weit die negativen Auswirkungen der Schuldenkrise reichen werden. Sicher ist jedoch, dass sie auch im nächsten Jahr das Wirtschafts-wachstum in Europa beeinträchtigen werden. In den meisten Ländern Europas wer-den die Wachstumsraten zurückgehen, einigen droht sogar eine Rezession.

Auch in anderen Bereichen der Weltwirtschaft kündigen sich Veränderungen an. Die USA, ein wichtiger Partner der deutschen Exportwirtschaft, haben ihre Rolle als globale Konjunkturlokomotive verloren. Die Schwellenländer haben im vergangenen Jahr zu 60 % zum Wachstum der Weltwirtschaft beigetragen. Inzwischen haben deren Zentralbanken die Leitzinsen erhöht, um die Inflationsgefahren zu verringern. Dies wird sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken.

Diese Entwicklungen können auf Dauer nicht ohne Folgen für die inländische Wirt-schaft bleiben, die in einem hohen Maß vom Außenhandel abhängig ist. Für eine kurze Zeit wird die Exportwirtschaft noch von ihren hohen Auftragsbeständen profitieren. Die wieder steigende inländische Nachfrage, die auf höhere Einkommen und eine dadurch mögliche Erhöhung der Konsumausgaben zurückzuführen ist, kann nur einen kleinen Ausgleich bewirken.

Die Prognosen der Forschungsinstitute, der Bundesregierung und der Banken über die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts weichen trotz der als unbestritten gelten-den Rahmenbedingungen erheblich voreinander ab. Im Schnitt erwarten diese Institutionen ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von 0,4 %. Die Bundesbank geht von einem Wachstum von 0,6 % aus. Ihre Unsicherheit über die weitere Entwicklung kommt darin zum Ausdruck, dass sie diese Vorhersage ausdrücklich mit dem Vorbehalt versieht, dass es zu keiner signifikanten Verschärfung der Staatsschuldenkrise kommt.

Die Nachfrage nach Arbeitnehmern wird anhalten. Die Zahl der Arbeitskräfte wird aufgrund des demographischen Wandels abnehmen. Deshalb dürfte die Arbeitslo-senquote geringfügig zurückgehen.

Die Verbraucherpreise werden relativ stabil bleiben. Die Bundesbank erwartet eine Inflationsrate von nur noch 1,8 % nach 2,5 % in diesem Jahr. Sie unterstellt bei ihrer Prognose ein nur noch mäßiges Steigen der Energiepreise.

Die Konjunkturforscher sind zuversichtlich, dass die Wachstumsdelle nur klein sein wird. Im nächsten Jahr wird die deutsche Wirtschaft nach ihrer Voraussage wieder stärker wachsen.

Optimisten an die Front!

Die Lage in Europa ist eingetrübt. Anfang dieses Jahrzehnts wurde der Euro als ein Garant für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und für die Förderung des Wohl-standes in den Ländern der Währungsunion gelobt. Jetzt wird er zum Schuldigen für Wachstumsstörungen, notwendige Hilfsmaßnahmen zugunsten überschuldeter Staaten und eine daraus entstehende Politikverdrossenheit erklärt.

In völliger Verkennung der Ursachen für die aktuellen Probleme wird die Gemein-schaftswährung, nicht dagegen die leichtfertige Schuldenpolitik in zahlreichen Län-dern der Währungsunion für die bestehenden Schwierigkeiten verantwortlich ge-macht. Diese Fehleinschätzung kommt besonders deutlich in der Wortwahl zum Ausdruck, denn oft ist von einer Euro-Krise statt von einer Schulden-Krise die Rede.

Immer häufiger werden kritische Fragen zur weiteren Entwicklung des Euro gestellt. Jetzt ist die Stunde jener notorischen Bedenkenträger gekommen, die Neuerungen regelmäßig skeptisch gegenüber stehen und schon immer wussten, dass eine ge-meinschaftliche Währung in Europa ein Spiel mit dem Feuer ist.

Von der Behauptung, der Euro sei an allem schuld, ist es nicht weit zu der Überle-gung, es sei besser, die Gemeinschaftswährung abzuschaffen und wieder nationale Währungen einzuführen. In dieser Situation tauchen recht skurrile Vorschläge auf, wie dies zu realisieren ist. Der vorläufige Höhepunkt ist mit dem Vorschlag eines Professors erreicht, der bis zum Druck neuer DM-Geldscheine die im Inland umlaufenden Euro-Banknoten mittels eines Stempelaufdrucks zu DM-Geldscheinen umfunktionieren wollte. Wir haben keine Euro-Krise, aber eine Kritiker-Krise.

Bemerkenswert ist, dass die Vorschläge zur Abschaffung des Euro – von einigen zu vernachlässigenden Ausnahmen abgesehen – nicht von Politikern stammen, son-dern aus den Kreisen der Hochschullehrer kommen. Wir müssen also aktuell keine Sorge haben, dass die Vorschläge realisiert werden.

Wer Verbesserungen einführen will, muss Visionen haben oder zumindest in langfristigen Perspektiven denken – und er muss ein Optimist sein. Er muss seine ganze Kraft aufwenden, um aufkommende Probleme zu lösen. Fachleute, die beim Auftreten erster Schwierigkeiten von einem vorher als richtig erkannten Weg abweichen und den Rückzug antreten wollen, statt zu erkunden, wie die Probleme überwunden werden können, sind wenig hilfreich.

Pessimismus war bei der Realisierung umfassender Reformen schon immer ein schlechter Ratgeber. Aktuell bedeutet das: Wir müssen die Schuldenkrise überwin-den, statt den Euro abzuschaffen.

Zahlen Sie gern Steuern?

Steuern zu zahlen ist eine unbeliebte Pflicht. Zahlreiche Prominente haben sich mit dieser Last auseinandergesetzt und sind zu bemerkenswerten Erkenntnissen ge-kommen.

„Die Steuer ist ein erlaubter Fall von Raub“, behauptete der Philosoph und Theologe Thomas von Aquin und der Schweizer Dichter Carl Spitteler ergänzte: „Nicht umsonst führen die Staaten mit Vorliebe ein Raubtier im Wappen.“ In die gleiche Kerbe schlug seine deutsche Kollegin Ilona Bodden: „Die öffentliche Hand befindet sich meistens in unseren Taschen.“ Peter Gillies, der frühere Chefredakteur der Zeitung „Die Welt“, hat beobachtet, dass der Bürger sein Finanzamt mit der gleichen Leidenschaft liebt wie der Metzger den Vegetarier. Auch der unvergessene Fernsehunterhalter Robert Lembke hatte ein differenziertes Verhältnis zum Finanzamt: „Es hat mehr Männer zu Lügnern gemacht als die Ehe.“

Es gibt aber auch andere Stimmen: James Dewar, ein schottischer Physiker, meinte: „Es gibt nur etwas, was mehr schmerzt, als Einkommensteuer zu zahlen: Keine Ein-kommensteuer zu zahlen!“

Peter Ustinov fand tröstende Worte für jemanden, der keine Steuer zahlen muss: „Wer in einem Testament nicht bedacht worden ist, findet Trost in dem Gedanken, dass der Verstorbene ihm vermutlich die Erbschaftsteuer ersparen wollte.“

Albert Einstein war der Meinung, man müsse Philosoph sein, um eine Einkommen-steuererklärung abgeben zu können. Für einen Mathematiker sei das zu schwierig. Worauf der Mathematiker Helmar Nahr fast philosophisch entgegnete: „Steuerhinterziehung ist der strafbare Versuch, das staatliche Versprechen der Steuergerechtigkeit auf privater Basis zu realisieren.“

Mayer Amschel Rothschild, im 18. Jahrhundert geboren, wusste offenbar die Dienste eines Steuerberaters schon zu schätzen, als er erkannte: „Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht Steuern zu zahlen. Die Kenntnis aber häufig.“ Vielleicht hat auch jener unbekannte Steuerzahler an den Stand der Steuerberater gedacht, der sich mit den Worten entschuldigte: „Ich bin steuerlich nicht vorgebildet und kann mich deshalb nur wahrheitsgemäß äußern.“

Nicht nur das Finanzamt steht im Mittelpunkt der Kritik, wie die Aussage eines Steu-erzahlers beweist, der verständlicherweise anonym bleiben möchte: „Meine Frau macht Sonderausgaben und ist auch sonst eine außergewöhnliche Belastung.“

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