

Vorausschauend in die innerbetriebliche Weiterbildung investieren
Von Inge Meyer
Leer. Die ersten Grundschulen sind mangels Schülerzahlen geschlossen worden und es ist unumstritten, dass der demographische Wandel und damit der „Run um die besten Köpfe“ anläuft. Bessere Rahmenbedingungen für die berufliche Erstausbildung, Fort- und Weiterbildung, sollen dazu beitragen, dass die Personalentwicklung in den Betrieben vorangetrieben wird und der Chef seinen Mitarbeiter sozusagen noch enger an seinen Betrieb bindet. In dem folgenden Interview gibt Diplom-Kaufmann Andreas Epple, Geschäftsführer der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) in Leer e.V., einen Einblick in die betriebswirtschaftlichen Studiengänge parallel zum Beruf.
Herr Epple, das Studium zum Betriebswirt, Informatik-Betriebswirt und Verwaltungs-Betriebswirt (VWA) dauert drei Jahre und findet jeweils freitags abends und samstags vormittags statt.
Welche Gruppe von voll berufstätigen Studierenden nimmt diesen Kraftakt auf sich?
Nun, es gibt sehr viele Teilnehmer aus Wirtschafts- und Verwaltungsberufen, die sich immer wieder für ein Studium an der VWA in Leer entscheiden würden. Mit rund 80 Absolventen wird der diesjährige Jahrgang am 15. September verabschiedet und die Diplomurkunden werden offiziell übergeben. Auch für den 14. Studiengang an der VWA in Leer liegen bereits seit längerer Zeit über 60 Anmeldungen vor.
Was für Qualifikationen müssen die Teilnehmer mitbringen?
Entweder muss eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung oder ein Fachhochschulabschluss vorliegen. Auch Beamte mit bestandener Laufbahnprüfung für den mittleren Dienst nehmen zum Beispiel am Verwaltungsstudium teil. Zum einen haben wir junge Teilnehmer, die gerade ihre Berufsausbildung beendet haben und zum anderen sind durchaus über 50-jährige Studierende mit langjähriger Berufserfahrung dabei. Der Studienleiter der VWA Leer, Professor Dr. Betge, nimmt sich aber auch die Zeit mit jedem Interessenten ein Beratungsgespräch zu führen, um so eine optimale Empfehlung abzugeben.
Nun fallen ja auch Studiengebühren von 390 Euro pro Semester bei den Betriebswirten und Verwaltungsbetriebswirten an und bei den Informatik-Betriebswirten sind es aufgrund der optimal technischen Ausstattung sogar 480 Euro pro Semester.
Wie können die Studierenden dies aufbringen, oder gibt es Zuschüsse?
Ja, in diesem Punkt gibt es zwei Veränderungen. Zum einen werden die Studiengänge jetzt mit IWiN-Fördergelder bezuschusst, die bei der Industrie- und Handelskammer vom Arbeitgeber beantragt werden. Damit sollen gerade KMU mit unter 50 Mitarbeitern berücksichtigt werden, die langfristig in die innerbetriebliche Weiterbildung für ihre Mitarbeiter investieren möchten. Jeder kennt das Problem der demographischen Entwicklung und damit erhält der Arbeitgeber 50 Prozent der Weiterbildungskosten des Mitarbeiters erstattet. Auch die Lohnkosten, beispielsweise für die Teilnahme an Klausuren, Vorbereitungswochen für die Abschlussarbeit und andere Termine während der Arbeitszeit, sind förderfähig, so dass insgesamt maximal bis zu 90 Prozent über IWiN erstmalig gefördert werden können. Viele Arbeitgeber haben hier die Möglichkeit der eigenen Personalentwicklung erkannt und wissen, dass ab der Meisterebene aufwärts immer mehr verlangt wird und das Fachwissen enorm zugenommen hat. Laut IHK liegt die Förderhöchstsumme bei 4000 Euro pro Kalenderjahr und pro Betrieb. Zum anderen gibt es die neue Bildungsprämie in Höhe von 500 Euro, die jeder Studierende beantragen kann.
Nun haben die Kammern oder andere Bildungsträger ja ihre eigenen betriebswirtschaftlichen Studiengänge.
Worin unterscheidet sich ein Studium an der VWA Leer hinsichtlich ähnlicher Studiengänge?
Zum einen lehren an der VWA in Leer nur Universitätsprofessoren zum Beispiel aus Osnabrück, Bamberg, Hamburg und sogar von der Insel Rügen. Dies ist ein großer Pluspunkt für die VWA und dazu kommt, dass die Durchfallquote aller Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien hier in Leer am niedrigsten ist. Viele der VWA-Absolventen in Leer konnten die Karrieretreppe auch um einen Schritt nach oben machen, wie zum Beispiel ein Verwaltungsangestellter der Gemeinde Friedeburg, der hinterher als Doppik-Beauftragter zum Landkreis nach Wittmund wechselte. Zum anderen setzen sich die Mitarbeiter auch hinsichtlich der Diplom-Arbeit mit einem Thema auseinander, welches im Betrieb schon lange aktuell ist. Dann ist die nächste Beförderung im Anschluss nach dem erfolgreichen VWA-Studium oftmals in greifbarer Nähe.
Eine letzte Frage: Sind die Studiengänge, die in der ersten Oktoberwoche starten schon voll, oder können sich noch Interessierte melden?
Ja, jederzeit können sich noch interessierte Teilnehmer anmelden. Außerdem findet voraussichtlich nach den Sommerferien noch einmal eine Informationsveranstaltung statt, bei der über die Inhalte, den Ablauf und die Anforderungen der Studiengänge informiert wird.
Mehr Informationen auch unter www.vwa-leer.de.



