Weser-Ems-Halle



Interview mit Thea Kosse Muckli und Helmut Muckli über den
Verein "Leben ohne Lepra"
Interview mit Thea Kosse Muckli und Helmut Muckli über denVerein "Leben ohne Lepra"

Von Inge Meyer

Aschendorf. Seit knapp 20 Jahren engagieren sich die Kinounternehmer Thea Kosse Muckli und Mann Helmut für den Verein „Leben ohne Lepra“ in Nordindien und dafür erhielt Thea Kosse Muckli die Bundesverdienstmedaille verliehen. Der Aufbau von Schulen, Krankenstationen und Werkstätten gehen auf das Konto des eingetragenen Vereins, der auf die vielen Spendengelder aus der Region Weser-Ems angewiesen ist. In dem folgenden Interview geben die Vereinsvorsitzende Thea Kosse-Muckli und Helmut Muckli einen Einblick in die Vereinsarbeit.

Bei den jetzigen Bilder in Bombay und auch bei den verheerenden Überflutungen in der Gegend von Bangladesch kommt Mutlosigkeit auf.
Wie halten Sie den Kontakt zur Krisenregion aufrecht und ist Ihr Gebiet in Nordindien überhaupt betroffen?
Ja, auch unsere Lebensgemeinschaften in Nordindien, Bihar waren von den Überflutungen in diesem Jahr betroffen. Wir haben dann sofort mit den Verantwortlichen telefoniert und die ersten Hilfsmassnahmen eingeleitet. Für Bihar waren die Überflutungen eher ungewöhnlich. Es ist eines der ärmsten Bundesländer in Indiens. Ich bin froh, dass die bisherige Arbeit vom Verein „Leben ohne Lepra“ in Jaipur nicht betroffen war. Hinsichtlich des Terrorismus in Bombay ist es erschreckend, dass diese Anschläge eine ganz neue Dimension von Gewalt bekommen haben. Aus früheren Besuchen in Indien weiß ich, dass es dort immer wieder Bombendrohungen gab, aber so etwas nicht. Unsere Dörfer und Lebensgemeinschaften, die wir in Nordindien, betreuen, sind jedoch kein Angriffsziel für Terroristen.

Welche Hilfe benötigen die Menschen in den Slums am nötigsten?
Mittlerweile helfen wir vom Verein „Leben ohne Lepra“ nicht nur Lepra-Kranken, sondern auch Tuberkulose-Erkrankten. Die medizinische Versorgung steht immer an erster Stelle. Wir haben 21 Krankenstationen aufgebaut, die die medizinische Grundversorgung übernehmen und hier finden bis zu 12.000 Behandlungen jährlich statt. Auch der Umgang mit Hygiene, eine der Grundvoraussetzungen aller Krankheiten und Seuchen, ist wichtig für Menschen, die ja vorher auf der Straße gelebt haben. Außerdem gehört die Frischwasserversorgung zu den wichtigsten Dingen, die Menschen dort brauchen Eine neue Krankenstation, die sich derzeit im Aufbau befindet, wird bei unserem jährlichen Besuch jetzt im Februar 2009 eingeweiht. Mittlerweile können wir mit den Spendengeldern aus der Vereinsarbeit 168 Kindern eine Schulbildung ermöglichen und ihnen dadurch eine Perspektive für die Zukunft geben.

Wie viele Spendengelder sind in diesem Jahr zusammen gekommen?
Wir benötigen in Jahr zwischen 60.000 und 80.000 Euro, um zum Beispiel die Krankenstationen zu bezahlen, dazu kommen die Kosten für die Ärzte, .die Ausbildungskosten für die Kinder, die Trainings in unserem Rehabilitationscenter usw. Dabei haben wir keine Kosten für Verwaltung und Werbung für den Verein „Leben ohne Lepra“, so dass die Spendengelder direkt zu 100% in unsere Projekte gehen. Wir sind sehr dankbar, dass wir von so vielen Seiten unterstützt werden. Das ist für uns eine Motivation und Verpflichtung unsere Arbeit wie bisher weiter zu führen.

Wie viel kostet es, ein Menschenleben in Indien zu erhalten oder einem Kind eine Perspektive zu geben?
Für 50 Euro kann ein Lepra- oder Tuberkulosekranker geheilt werden. Jedes Jahr erkranken mehrere hunderttausend Menschen neu an Lepra . Jeder zehnte neue Patient ist ein Kind. Am schlimmsten betroffen ist Indien mit über 70 % der Neuerkrankungen. Ein weiteres zentrales Anliegen unserer Arbeit ist die Ausbildung der Kinder. Wir finanzieren die Schulgelder, Schuluniformen, Lernmaterialien und die Betreuung durch einen Sozialarbeiter. Durch die Ausbildung bekommen sie Selbstbewusstsein, Würde und die Chance auf ein menschenwürdige Leben. 25 Euro pro Monat reichen um die Schulkosten für ein Kind zu finanzieren. Würde und Selbstbewusstsein bekommen auch unsere Patienten zurück die in unseren kleinen Webfabriken beispielsweise Bettwäsche oder Tischwaren weben und bedrucken. Diese werden dann jährlich auf den Weihnachtsmärkten in Ostfriesland und im Emsland zum Verkauf angeboten. Am 3. Advent sind wir zum Beispiel auf dem Papenburger Weihnachtsmarkt vertreten. Mit 50 Euro macht jeder Spender es möglich, einen Kranken oder einem Waisenkind ein menschenwürdiges Leben ohne Leid zu ermöglichen.

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