

Schutz der Meeresumwelt gegeben – Strom schonend an Land bringen
Von Inge Meyer
Norderney. Der auf hoher See erzeugte Strom (Offshore) soll in etwa 20 Jahren mehr Strom erzeugen als in Atomkraftwerken und über 1.500 Personen sollen dort beschäftigt werden. In dem folgenden Interview gibt Frank Ulrichs, Bürgermeister der Stadt Norderney, einen Einblick in das Offshore-Geschäft, denn der auf der Nordsee erzeugte Strom verläuft über Norderney zum Festland.
Ihre Vorgänger, also Bürgermeister Salverius und Bürgermeister Aldegarmann, haben gute Vorarbeit für die Offshore-Windenergie geleistet.
Von welchen Windparks kommt der erzeugte Windstrom, der über Norderney an die Nordseeküste zum Festland transportiert wird?
Die Insel Norderney stellt die Durchleitungstrassen für den Offshore-Strom zur Verfügung und insgesamt waren diese für acht Windparks vorgesehen. Zwischenzeitlich steht aufgrund der gewonnen Erkenntnisse fest, dass über die Norderneytrasse nur fünf Windparks angeschlossen werden können. Zwei Kabeldurchleitungen, also für den Windpark Alpha Ventus und für den Windpark BorWin, sind bereits verlegt und anschlussfähig. Insofern wird der Strom hier auf Norderney nur gebündelt und zum Festland durchgeleitet.
Wie lange hat sich die Insel Norderney mit den Bauarbeiten darauf vorbereitet, diese Pionierarbeit mit der Kabelverlegung im Nordseeflußbett sicherzustellen?
Als das Thema Offshore vor ungefähr 12 Jahren erstmals auf der Insel Norderney zur Sprache kam, war der auf See erzeugte Windstrom absolutes Neuland und stellte auch eine große technische Herausforderung dar. Natürlich gab es bei den Naturschützern zunächst einen Aufschrei, die Stromkabel durch das Wattenmeer zu verlegen. Letztlich hatte man einer Bündelung der Durchleitung aber zugestimmt, weil diese naturverträglicher ist. Eigentlich sollten die Trassen aus naturschutzmäßigen Gründen auch nur bis zum Jahr 2010 zur Verfügung stehen, aber dieses Zeitfenster ist längst erweitert worden. Auch sind naturverträgliche Verfahren zur Verlegung gefunden worden, die auf große Akzeptanz stoßen.
Sind alle Bauarbeiten auf der Insel abgeschlossen oder muss noch viel gemacht werden, damit der Offshore-Strom in Hilgenriedersiel ankommt?
Die Durchleitung auf der Insel Norderney umfasst weniger als 600 Meter Stromtrasse und diese Bauarbeiten sind seit 2009 abgeschlossen. Für die Verlegung sind Spezialfirmen beauftragt worden, denn der aus Beton gegossene unterirdische Baukörper für die Stromdurchleitung ist nicht mit einem herkömmlichen Rohrleitungsbau zu vergleichen. Im Zuge der Trassenverlegung ist rund fünf Kilometer Straßenverlauf vom Hafen bis zur Oase komplett erneuert worden. Dafür gab es eine Teilfinanzierung vom Land Niedersachsen und der Firma E.ON (heute Tennet) und eine sechsstellige Summe hat die Stadt Norderney übernommen. Neben den notwendigen Kosten- und Ausgleichsregelungen lässt sich für die Kommune mit der Kabeltrasse leider kein Geld verdienen.
Nun wird ein ganz neue Windpark „Gode Wind II“ rund 38 km vor Norderney in diesem Jahr gebaut werden.
Sind diese Windmühlen im Wasser von der Urlaubsinsel Norderney zu sehen und beeinträchtigt dies den Tourismus?
Der genehmigte Windpark „Gode Wind II“ mit 38 Windenergieanlagen wird diagonal zur anderen Seite des Festlands verlaufen und wird selbst bei klaren Wetterverhältnissen nicht zu sehen sein. Sicherlich wird dieser Strom auch über Norderney durch geleitet werden, aber der Windpark wird den Tourismus nicht beeinträchtigen. Im Übrigen haben wird uns immer dagegen gewehrt, Windparks innerhalb der 12-Seemeilen-Zone zu bauen. In punkto Nearshore kann es tatsächlich zur Verspargelung auf der Nordsee und Beeinträchtigungen für den Tourismus kommen, aber solche Planungen vor Norderney sind mir nicht bekannt.
Nun gehört der Nationalpark Wattenmeer seit drei Jahren zum UNESCO-Kulturerbe.
Inwieweit sind Offshore-Windindustrie mit dem Wattenmeer zu vereinbaren?
Einerseits sollte eine Industrialisierung im Wattenmeer ausgeschlossen werden und dies haben Naturschützer und verantwortliche Personen stets im Blickwinkel gehabt. Problematisch war aus Sicht der Inseln immer, dass das Genehmigungsverfahren für Windparks auf hoher See auf der Seeanlagenverordnung beruht, die noch aus Zeit der ersten Bohrinseln stammt und nicht angepasst wurde. Die Hürden für eine Genehmigung liegen recht niedrig. Die Windparks werden in Nähe der großen Schifffahrtsrouten errichtet und es besteht schon ein latentes Gefährdungspotenzial, dass minimiert werden muss. Der Strom wird aber sehr schonend an Land gebracht und gerade nach Fukushima ist die Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber regenerativer Energie erheblich gestiegen.
Eine letzte Frage:
In wie vielen städtischen Betrieben setzen Sie schon auf grünem Strom?
Wir sind sehr früh auf Norderney angefangen, regenerative Energien einzusetzen und setzen damit auf ein kontinuierliches Umweltbewusstsein. Seitens unserer Wirtschaftsbetriebe bieten wir Ökostrom an, der bei den insgesamt rund 4.000 Wohnungen, Zweit- und Ferienwohnungen, schon zu einem Drittel nachgefragt wird. Rund 300 Haushalte auf Norderney können über Photovoltaikanlagen mit Strom versorgt werden und hier haben wir im vergangenen Jahr die 1-Megawatt-Marke geknackt. Dazu werden immer mehr Blockheizkraftwerke errichtet und das Fernwärmenetz ausgebaut. Überdies haben wir uns zusammen mit den Inseln Juist und Baltrum sowie der Stadt Norden einem Klimaschutzprojekt angeschlossen, um diese Sachen weiter zu forcieren.






