Weser-Ems-Halle



Interview mit dem Bürgermeister der Stadt Haren (Ems)
Markus Honnigfort
Interview mit dem Bürgermeister der Stadt Haren (Ems) Markus Honnigfort

Von Gabriele Enderby
Haren.
Mit über 20 niedergelassenen Reedereien ist Haren der drittgrößte Reedereistandort Deutschlands. Auch in den anderen Wirtschaftsbranchen boomt die Stadt. In dem folgenden Interview spricht Harens Bürgermeister Markus Honnigfort über die Zukunftsperspektiven der Region.

Herr Honnigfort, am Neujahrsempfang Anfang dieses Jahres sprachen Sie davon, dass es in Haren fast Vollbeschäftigung gibt und die Wirtschaft in der Emsstadt brummt. Viele Harener Reedereien haben weltweit investiert: Hat sich die Wirtschafts- und Börsenkrise auch auf die Stadt Haren ausgewirkt?

Also, gemerkt habe ich die Wirtschaftskrise noch nichts – dazu habe ich noch keine Rückmeldung von Reedern aus Haren bekommen. Ich gehe aber davon aus, dass die Finanzkrise über die internationalen Handelsbeziehungen auch in diesen Wirtschaftsbereich hinüberschwappt. Problematisch an der derzeitigen Situation ist sicherlich, dass die Banken sich untereinander nicht mehr so richtig trauen. Jeder Export wird in der Regel über ein Akkreditiv finanziert. Wenn sich die Banken untereinander nicht trauen und daher nicht finanzieren, hat das auch Konsequenzen in der Schifffahrt. Denn die Ware, die nicht finanziert wird, wird auch nicht transportiert.

Ich gehe davon aus – und es zeigt sich bereits auf den Bulkschifffahrtsmärkten -, dass die Frachtraten deutlich nach unten gehen werden. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Harener Reedereien eine gute Strategie verfolgt haben, indem sie ihre Flotte sehr verjüngten. Denn die Frachten, die es dann noch auf dem Weltmarkt zu verteilen gibt, gehen nicht auf die alten Pötte, sondern auf die neuen Schiffe. Daher glaube ich, dass die Harener Reedereien gut aufgestellt sind.

Viele Reedereien bauen derzeit ein neues Firmengebäude oder haben den Neubau bereits bezogen. Sind die Flächen im neuen interkommunalen Gewerbegebiet Eurohafen sehr gefragt?

Die Nachfrage ist sehr positiv. Das, was der Hafen an Investitionen gekostet hat inklusive des Flächenerwerbes – nämlich 21 Millionen Euro – ist bereits durch Investitionen der Unternehmen vor Ort abgesichert beziehungsweise schon durchgeführt worden. Wir haben gerade mit der Firma Enercon eine Vereinbarung unterzeichnet, dass sie in der Nähe des Eurohafens das modernste Rotorblatt-Werk der Welt bauen wird. Wir gehen davon aus, dass wir mit der Ansiedlung von Enercon den Ruf Harens als Wirtschaftszentrum weiter stärken werden und weitere Zuzüge von außen haben und das mit allen positiven Einflussfaktoren: wir bekommen junge Arbeitnehmer und Kaufkraft nach Haren (Ems). Insofern sind wir natürlich sehr froh, dass der Eurohafen gut läuft und dass wir mit Enercon jetzt ein Weltunternehmen gewonnen haben.

Was macht Haren für Reedereien und andere Unternehmen so besonders interessant?
Haren hat zum einen Standortvorteile: Wir liegen an der A31 / A37 (NL), wir haben den Eurohafen gebaut, der sicherlich logistisch zum richtigen Zeitpunkt gekommen ist. Weiterhin merken wir auch immer mehr, dass unsere wirklich sehr gute Wirtschaftspolitik sich herumspricht.

Gute Wirtschaftspolitik – was verstehen Sie darunter? Bieten Sie den Unternehmern besonders günstige Konditionen, wenn sie sich in Haren niederlassen?

Wir bieten unsere Flächen ordentlich an und verschleudern sie nicht. Das haben wir auch nicht nötig. Denn wenn ein Unternehmen Millionen investiert, interessiert es wenig, ob es 1.000 Euro mehr oder weniger für eine Gewerbefläche bezahlt. Es zeigt sich, dass es sowohl harte Standortfaktoren sind, die die Unternehmer überzeugen, als auch die so genannten weichen Standortfaktoren. Denn auch im Freizeitbereich beispielsweise hat Haren Enormes zu bieten. Entscheidend ist letztendlich, dass ein Unternehmen sich bei einer Kommune gut aufgehoben fühlt. Dazu gehört aus Unternehmenssicht auch die Frage, ‚Habe ich einen Ansprechpartner in der kommunalen Verwaltung?’, ‚Agiert dieser in meinem Sinne, sprich schnelle Genehmigungsverfahren, setzt sich die Verwaltung für mich ein?’ ’Oder sind die Ansprechpartner, nachdem der Vertrag unterschrieben ist, wieder verschwunden?’

Wie steht es denn mit der Emsvertiefung und der Angleichung zum Dortmund-Ems -Kanal?
Es gibt eine Vereinbarung, dass bis zum Jahr 2017 die Durchgängigkeit der Nordstrecke des Dortmund-Ems-Kanals, also von Rheine bis nach Lingen, für das Großmotorgüterschiff (GMS), das Bemessungsschiff heutiger Art, sichergestellt sein wird. Das Großmotorgüterschiff könnte dann ab 2017 durchfahren bis zum Rhein. Damit hätten wir eine Verbindung in die internationalen Transporte auf Wasserwegen, die ein großes Potential auch für den Eurohafen und die Region bieten. Im Moment sind wir in südlicher Richtung wegen der kleinen Schleusen von den Großraumtransporten im Binnenverkehr abgeschnitten. In Zukunft werden wir, was das GMS anbelangt, auf dem Niveau des Rheins mitfahren können.

Ähnlich wie beim Lückenschluss der A 31 wird die gesamte Region enorm davon profitieren, wenn diese Lücke auf dem Wasserweg erst geschlossen ist. Hier liegen große Potentiale: besonders im Osten der Niederlande gibt es ein Wasserstraßennetz dieser Qualität nicht, das gibt es nur in den westlichen Niederlanden. Deshalb werden unsere Nachbarn über die Grenze schauen. Und alles, was wir als Umschlag generieren können, ist gut für die Region.

Warum ist der dreilagige Containerverkehr so wichtig?
Die weltweiten Transporte werden immer mehr mit Containern abgewickelt. Ob nun Sackware oder ein Auto – es kommt im Container. Der Container ist eine Maßeinheit, für die überall auch Umschlagsanlagen vorhanden sind. Wir benötigen den dreilagigen Containerverkehr dringend, denn wenn wir einmal ein bisschen weiter denken: Der Containerhafen in Rotterdam ist schon seit Jahren überfüllt. In Hamburg sieht die Situation nicht anders aus. Mit dem Jade-Weser Port werden viele Verkehre, die bisher in Rotterdam abgewickelt wurden, in Wilhelmshaven abgewickelt und werden dann in den Absatzmarkt Rhein / Ruhr abtransportiert. Direkt an den beiden großen Warenströmen Nordsee – Ruhrgebiet und Rotterdam – Hamburg, genau in diesem Fadenkreuz, liegt Haren. Und wenn man weiß, wen man ansprechen muss und die Kontakte herstellt, dann weiß man auch, welche Potentiale es hier gibt – und diese Potentiale wollen wir ausschöpfen.

Herr Bürgermeister, wir danken für dieses Gespräch.

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