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Arbeitsmarkt vor neuen HerausforderungenArbeitsmarkt vor neuen Herausforderungen

Von Diplom-Volkswirt
Von Klaus-Peter Jordan

Wirtschaftskrise war gestern – Aufschwung ist heute. Das ist jedenfalls die Botschaft, die derzeit aus den Unternehmen und den Büros der Volkswirte gesendet wird. Nach der schlimmsten Rezession der Nachkriegszeit, die Deutschland 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent bescherte, haben nahezu alle Auguren die Prognosen für dieses Jahr inzwischen wieder auf über zwei Prozent Wirtschaftswachstum hochgeschraubt. Vor allem die alte Lokomotive Export, die 2009 so versagte, steht wieder unter Dampf.

So weit, so normal. Das ist der Lauf von Konjunkturzyklen. Unnormal – erfreulich unnormal – hingegen ist, was sich am Arbeitsmarkt tut. Normal wäre, dass die Arbeitslosigkeit am Anfang eines neuen Aufschwungs am höchsten ist. Im Juni 2010 aber hatten wir in Deutschland mit 3,15 Millionen Arbeitslosen den niedrigsten Juni-Stand seit 18 Jahren. „Die Konjunkturerholung hat den Arbeitsmarkt erreicht“, heißt es bei der Agentur für Arbeit in Leer. Und: „Kleine und mittlere Unternehmen stocken ihre Belegschaft auf“, verkündet die Arbeitsagentur in Emden.

Dabei hatten die Unternehmen trotz der Mega-Rezession im vergangenen Jahr verhältnismäßig wenig Personal abgebaut. Geholfen hat hier sicher die Kurzarbeitergeld-Regelung, wahrscheinlich die effektivste wirtschaftspolitische Maßnahme einer Regierung seit langem. Aber in den Unternehmen hat sich inzwischen auch die Erkenntnis durchgesetzt, qualifiziertes Personal in schwierigen Zeiten zu halten, denn das wird in den nächsten Jahren knapp werden – Stichwort demografischer Wandel: Starke, erfahrene Arbeitskräfte-Jahrgänge gehen in Rente, und es gibt immer weniger Schulabgänger, die eine Ausbildung aufnehmen. Die Wirtschaftskammern rufen die Unternehmen bereits auf, sich 2011 mit Auszubildenden auf Vorrat „vollzusaugen“, denn im nächsten Jahr gibt es in Niedersachsen wegen des Abiturs nach zwölf Schuljahren einen doppelten Abitur-Jahrgang.

Allerdings wird das Arbeitskräfte-Potenzial in den nächsten Jahren nicht nur schrumpfen, es wird sich auch strukturell ändern müssen. Im verarbeitenden Gewerbe werden immer weniger Menschen beschäftigt sein, im Dienstleistungsbereich – wie zum Beispiel der Pflege kranker und hilfsbedürftiger Menschen – immer mehr. Vor allem um Kinder erziehende Frauen und Männer als zusätzliche Arbeitskräfte zu gewinnen, wird es noch wesentlich mehr Teilzeitstellen geben müssen – auch in hochqualifizierten Berufen. Fazit: Der Arbeitsmarkt wird in den nächsten Jahren ganz andere Probleme kennen lernen als in der Vergangenheit.

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