KommentarKommentar

Energie aus Hochsee-WindEnergie aus Hochsee-Wind

Von Désirée Warntjen

Die mögliche Energiegewinnung aus der Windkraft auf hoher See erscheint immens und die Realisierung, diesen Strom in großen Mengen ins Netz zu bringen, greifbar. Doch gegenwärtig zeigt sich, dass es noch hohe Hürden zu überwinden gilt, um die umfassende Realisierung auch befriedigend vorantreiben zu können. Erst kürzlich kam ein Vestas-Flügel bei Wilhelmshaven ungewollt runter.

Doch zuerst einmal die guten Nachrichten: Hinsichtlich der Technologien haben die Offshore-Windanlagenbauer die Entwicklung enorm vorangetrieben und seitens der Bundesregierung gibt es für die Förderung dieser regenerativen Energiegewinnung starken Rückenwind. Doch Know how und guter Wille reichen allein nicht aus. Die schwierigen Transport- und Montagebedingungen auf hoher See, Verzögerungen bei der Infrastruktur, ein sich für den geplanten und sich entwickelnden Hochlauf abzeichnender Fachkräftemangel und Bedenken bei Kapitalgebern gehören zu den aktuellen Hindernissen.

Eines der Hauptprobleme liegt schlicht und einfach im Zeitfaktor: Es gibt zu viele Etappen, die vom Attribut „noch nicht“ gekennzeichnet sind. Verzögerungen greifen ineinander, bremsen Finanzierungskredite, verbindliche Abnahmezusagen und damit Investoren aus und bescheren dem Energie-Karussell „Offshore“ immer wieder eine Flaute. Zum Stillstand kommt es – dank des überwiegend souveränen Engagements der Beteiligten – natürlich nicht. Doch während auf der einen Seite Interessen und auch Begehrlichkeiten hinsichtlich der „Schlüsselenergie der Zukunft“ wachsen, zeigen sich auf der anderen Seite bislang in diesem Ausmaß ungeahnte Herausforderungen.

Denn mit dem Thema Offshore hat sich ein ganzer Industriezweig nicht nur auf die hohe See gewagt, sondern zugleich auch, auf hohem technischen Niveau, absolutes Neuland betreten. Hier nun die entsprechenden Erfahrungen zu sammeln und einzusetzen kostet Zeit – doch die wird vor dem Hintergrund der von der Bundesregierung eingeleiteten Energiewende knapp, während die von terminlichen Verzögerungen ausgelösten Folgekosten deutlich anwachsen.

Offshore bedeutet auch beim derzeitigen Stand immer noch Pionierarbeit, und Pionierarbeit kann nach wie vor nur mit einer gewissen Risikobereitschaft und vor allem einem geduldigen Umgang mit Erkenntnissen, Fortschritten und auch Rückschlägen geleistet werden. Diese Faktoren gilt es im Auge zu behalten und durchgängig zu berücksichtigen und zu akzeptieren, trotz des immensen Drucks.

Wirtschaftsecho - Inge Meyer e.K. - Quade-Foelke-Straße 6 - 26802 Moormerland
Tel.: 04954 - 8936-0 Fax: 04954 - 8936-29