
Von Klaus-Peter Jordan
Der Mann ist nicht zu beneiden. Obwohl er ab dem 20. Januar 2009 als Präsident der USA der mächtigste Mann der Welt sein wird, hätte wohl kaum ein Privatmann das Erbe angetreten, das ihm sein Vorgänger hinterlässt. George W. Bush hat für Barack Obama nicht zuletzt durch seine desaströse Politik einen Problemberg von Mount-Everest-Ausmaßen errichtet. Zwei Kriege – im Irak und in Afghanistan –, eine Immobilienkrise, eine Banken- und Versicherungskrise und eine Rezession – Bush hat fast nichts ausgelassen. Und Obama soll das jetzt alles richten.
Der Mann ist nicht zu beneiden. So hohe Erwartungen, so große Hoffnungen – und das nicht nur in Amerika, sondern auf allen Erdteilen. Das kann kaum gut gehen. Enttäuschungen sind da programmiert. Der im Wahlkampf oft wie ein Heils-Prediger aufgetretene Obama wird schnell zum Meister im Herunterschrauben von Erwartun-gen werden müssen – sonst besorgt das die Realität für ihn.
In Deutschland war die „Obamania“ fast noch größer als in den USA. Die Bürger sind begeistert; aus der Politik – von links bis Mitte rechts – kommt nur Lob. Was aber, wenn Obama seine Ankündigung konkretisiert, die Bundeswehr soll sich mit erheblich mehr Soldaten in Afghanistan engagieren? Und was, wenn er laut über einen Militärschlag gegen den Iran nachdenkt und auch hierfür deutsche Unterstüt-zung einfordert? Begeisterung kann schnell abkühlen. An den Welt-Börsen hielt sie gerade einmal einen Tag.
Fast noch enger als in der Politik sind Deutschland und die USA auf dem Wirt-schaftsfeld verbunden. Nirgendwo auf der Welt investieren deutsche Unternehmen mehr als in den USA. Und für US-Firmen steht Deutschland an zweiter Stelle auf der Landkarte der Auslandsinvestitionen. Wie lange noch? Wie ernst wird es den Ameri-kanern mit dem freien Welthandel noch sein, wenn sie die Rezession am Arbeits-markt erst richtig spüren? In der deutschen Wirtschaft kriecht bereits die Angst vor einem US-Protektionismus hoch. Wenn die US-Autoindustrie mit 25 Milliarden Dollar vor der Pleite bewahrt wird, sind die deutschen und japanischen Autobauer die Leid-tragenden. Dies ist nur ein Beispiel. „Amerika first“ – das war bisher noch der Leit-spruch jedes US-Präsidenten.
Realismus statt überschäumender Euphorie sollte angesagt sein. Warten wir ab, wie sich der Neue im Weißen Haus nach Abklingen des Wahlkampf-Getöses wirklich schlägt.




